Übernahme der Charteryacht: Checkliste für den Check-in
Stand:
Samstag, 17 Uhr in Split. Der Techniker der Basis hat noch drei Boote vor sich und will in zwanzig Minuten durch sein. Was du jetzt übersiehst, zahlst du am nächsten Freitag aus der Kaution. Diese Liste geht das Boot Bereich für Bereich durch, zum Ausdrucken und Abhaken am Steg.
Bevor die Crew auspackt
Gründlich gemacht dauert die Übernahme eineinhalb bis zwei Stunden. Das ist länger, als die Basis einplant, und genau die Zeit, in der die Crew sonst Taschen in die Kabinen räumt, den Kühlschrank füllt und die Backskisten mit Einkäufen verstopft. Danach sieht niemand mehr, was vorher schon kaputt war.
- Die Crew wartet im Cockpit oder im Café am Hafen. Taschen bleiben zu, bis Kabinen, Bilge und Backskisten gesehen sind.
- Zu zweit übernehmen: Einer prüft und sagt an, einer schreibt und fotografiert. Vier Augen sehen den Riss im Vorsegel eher als zwei.
- Erst an Deck, dann unter Deck. Oben ist es noch hell, unten hilft die Stirnlampe.
- Lass dir alles vorführen, was laufen soll: Motor an, Ankerwinsch an, Pumpen an. Ein Nicken auf „funktioniert“ ist kein Test.
- Nicht hetzen lassen. Wer das Protokoll unterschreibt, haftet für alles, was darin fehlt.
- Was im Hafen nicht geht, etwa das Großsegel bei Wind von der Seite, prüfst du direkt nach dem Ablegen und meldest es noch am selben Tag.
Die Checkliste, Bereich für Bereich
Jede Zeile ist eine Prüfung. Was fehlt oder kaputt ist, kommt ins Übergabeprotokoll, und der Techniker der Basis zeichnet es ab.
Papiere, Vertrag, Kaution
- Chartervertrag, Bootspapiere und Versicherungsnachweis der Yacht an Bord. Name und Typ im Vertrag passen zum Boot am Steg.
- Crewliste mit Ausweisdaten bei der Basis abgegeben
- Bootsführerschein und Funkzeugnis des Skippers im Original vorgelegt
- Kaution hinterlegt: Betrag und Art (Kreditkarte geblockt oder bar) stehen im Vertrag. Beleg mitnehmen.
- Rückgabe im Protokoll: Tag und Uhrzeit der Rückkehr in den Hafen und des Check-outs
- Notfallnummer der Basis in jedem Handy an Bord
Rumpf und Unterwasserschiff
- Einmal ums Boot gehen: Kratzer, Macken im Gelcoat, Scheuerstellen an der Bordwand, eingedrückte Scheuerleiste. Jede Stelle fotografieren.
- Bug- und Heckkorb, Relingsstützen und Seezaun ohne Verbiegungen und lose Füße
- Badeleiter herunterklappen und wieder einholen
- In der Bilge die Kielbolzen ansehen: Haarrisse im Laminat rund um die Bolzen deuten auf eine frühere Grundberührung.
- Steht Wasser in der Bilge, mit dem Finger probieren: Süßwasser kommt meist aus Tank oder Leitungen, Salzwasser von außen.
- Tauchercheck: Kiel, Ruderblatt und Propeller mit Taucherbrille ansehen, wo Baden im Hafen erlaubt ist. Sonst am ersten Abend in der Ankerbucht, und was du findest, gleich mit Foto an die Basis.
Rigg und Segel
- Wanten und Stagen: Splinte gesichert und abgeklebt, keine gebrochenen Drähte an den Pressungen
- Großsegel ausrollen oder setzen: Schothorn, Unterliek, Lattentaschen, Rutscher, Reffleinen
- Vorsegel ganz ausrollen: Risse am Achterliek, am Schothorn und auf Salinghöhe, UV-Schutzstreifen, Rollanlage läuft leicht
- Fallen, Schoten und Reffleinen ohne Scheuerstellen; Winschen drehen frei
- Winschkurbeln zählen: mindestens zwei
- Traveller und Baumniederholer laufen, Lazy Bag ohne Risse
Motor
- Motorstunden ablesen und ins Protokoll
- Ölstand am Peilstab zwischen Min und Max. Das Öl darf dunkel sein, aber nicht milchig: Milchiges Öl heißt Wasser im Motor.
- Kühlflüssigkeit im Ausgleichsbehälter auf Stand, bei Motoren mit Frischwasserkreislauf
- Seewasserfilter zeigen lassen: Deckel sauber, Seeventil davor offen
- Keilriemen ohne Risse, höchstens etwa ein Zentimeter Spiel
- Ersatzimpeller und Ersatzkeilriemen an Bord? Fragen, wo sie liegen und ob das Werkzeug für den Wechsel da ist.
- Motor starten: Mit dem Abgas kommt Kühlwasser aus dem Auspuff. Kommt keins, sofort aus und Seeventil und Impeller prüfen lassen.
- Vorwärts und rückwärts einkuppeln, am Steg kurz gegen die Leinen
- Motorraum: keine Öl- oder Dieselpfütze in der Wanne, Schläuche ohne Risse
Diesel und Wasser
- Dieselstand ablesen und klären, ob voll übergeben wird. Tankanzeigen auf Yachten sind grob; eine halbe Anzeige kann viel oder wenig heißen.
- Wassertanks: wie viele, wie viel Liter, wo umgeschaltet wird
- Alle Wasserhähne einmal öffnen. Die Druckwasserpumpe springt an und schaltet wieder ab, wenn der Hahn zu ist.
- Warmwasser: Der Boiler heizt über den Motor oder am Landstrom.
- Einfüllstutzen für Diesel und Wasser zeigen lassen, dazu den Schlüssel. Diesel im Wassertank ist der teuerste Fehler der Woche.
- Benzinkanister für den Außenborder: voll oder leer übernommen?
Gas
- Gasflaschen zählen: eine angeschlossen, eine volle in Reserve. Fragen, wo es im Revier Ersatz gibt.
- Gaskasten: Flaschenventil, Druckminderer und Schlauch ohne Risse
- Herd und Backofen zünden: Jede Flamme brennt, und die Zündsicherung hält sie, wenn du den Knopf nach ein paar Sekunden loslässt.
- Absperrhahn in der Pantry zeigen lassen, dazu Gaswarner und Magnetventil, wo vorhanden
- Kardanische Aufhängung des Herds und die Sperre dafür ausprobieren
Elektrik, Batterien, Landstrom
- Batteriehauptschalter: Wo sind sie, welcher gehört zur Starterbatterie, welcher zu den Verbrauchern?
- Batteriemonitor oder Voltmeter ablesen. Eine geladene Bleibatterie zeigt in Ruhe etwa 12,7 Volt, bei 12,2 Volt ist sie halb leer.
- Landstromkabel und Adapter an Bord; das Ladegerät lädt, sobald das Kabel steckt
- Kühlschrank kühlt. Vor Anker ist er einer der größten Stromverbraucher.
- Positionslaternen, Ankerlicht, Dampferlicht, Salon- und Kabinenlicht einschalten
- 12-Volt- und USB-Steckdosen, Wechselrichter, wenn vorhanden
Ankergeschirr und Ankerwinsch
- Ankerwinsch mit Fernbedienung oder Fußschaltern: ein paar Meter Kette fieren und wieder holen
- Sicherung oder Hauptschalter der Winsch zeigen lassen
- Länge der Kette und Markierungen erfragen; das Ende ist im Kettenkasten festgemacht.
- Ankerkralle oder Hahnepot, damit die Winsch vor Anker nicht die ganze Last trägt
- Landleinen und Festmacher: zwei Landleinen von etwa 30 Metern sind das Minimum, dazu vier kürzere Festmacher.
- Fender zählen, Bootshaken an Bord
Beiboot und Außenborder
- Beiboot aufgepumpt, Luftkammern halten, Ventile dicht
- Pumpe, Paddel und Fangleine an Bord
- Außenborder anlassen: Not-Aus-Leine dran, Ersatz-Scherstift da, Tank gefüllt
- Scheuerstellen und Flicken am Schlauch fotografieren. Das Beiboot wird bei der Rückgabe oft teuer.
- Schloss und Kette für das Beiboot, wenn es nachts am Steg oder in der Bucht liegt
Sicherheitsausrüstung
- Rettungswesten zählen: eine je Person in passender Größe, Kinderwesten für Kinder. Bei Automatikwesten ist die Patrone fest eingeschraubt und der Auslöser nicht abgelaufen.
- Lifebelts mit Sorgleinen, Strecktaue an Deck und Augbolzen im Cockpit
- Rettungsring oder Rettungskragen mit Leine und Blitzleuchte; Batterien der Leuchte prüfen
- Rettungsinsel: Wartungsdatum auf dem Container, Reißleine am Schiff festgemacht
- Feuerlöscher: Anzahl, Lage, Prüfplakette, Zeiger im grünen Bereich. Löschdecke an der Pantry.
- Seenotsignale: Ablaufdatum
- Erste-Hilfe-Kasten öffnen, Abgelaufenes und Leeres melden
- Handlenzpumpe mit Hebel, elektrische Bilgepumpe springt an
- Notpinne: wo sie liegt und wo sie aufgesetzt wird
- Seeventile: Lage aller Ventile, jedes lässt sich drehen, Holzpfropfen liegen dabei
Inventar
- Inventarliste der Basis Zeile für Zeile durchgehen, nicht nur unterschreiben
- Werkzeugkasten öffnen; oft fehlt die Hälfte.
- Pantry: Töpfe, Pfannen, Geschirr und Besteck für die ganze Crew, Korkenzieher, Dosenöffner
- Bettwäsche und Handtücher, wenn gebucht
- Sprayhood, Bimini und Persenning ohne Risse, Reißverschlüsse gehen
- Toiletten pumpen, Fäkalientank leer, Umschaltventil zwischen Tank und Außenbord zeigen lassen
Schäden fotografieren
- Jeden Schaden zweimal fotografieren: einmal nah, einmal mit Umgebung, damit man sieht, wo er ist.
- Das Handy speichert Datum und Uhrzeit in jeder Bilddatei. Ein Foto vom Samstagnachmittag zeigt, dass der Schaden vor dem Törn da war.
- Ein Video vom Rundgang, an Deck und unter Deck: zwei Minuten reichen, ersetzen aber nicht die Fotos der einzelnen Stellen.
- Jeden Schaden ins Protokoll schreiben, nicht nur fotografieren. Bei der Rückgabe steht oft ein anderer Techniker am Steg, der von deiner Absprache nichts weiß.
- Eine Kopie des Protokolls mit Unterschrift der Basis mitnehmen oder abfotografieren
Rückgabe und Check-out
- Rückkehr in die Basis und Check-out-Termin aus dem Vertrag. Den letzten Abend im Hafen der Basis planen, dann läuft die Rückgabe am Morgen ohne Hetze.
- Volltanken auf dem Weg zurück. An der Tankstelle vor der Basis ist am letzten Nachmittag oft Schlange; früh anlegen.
- Tankquittung aufheben. Fehlt Diesel, berechnet die Basis ihn nach eigenem Preis.
- Boot besenrein, Kühlschrank leer, Müll von Bord, Fäkalientank leer
- Schäden aus der Woche selbst melden, bevor der Techniker sie findet
- Mit dem Techniker durch das Boot gehen und das Rückgabeprotokoll erst unterschreiben, wenn alles drinsteht. Mit der Unterschrift gilt das Boot als zurückgegeben.
- Fragen und notieren, wann die Sperre auf der Kreditkarte aufgehoben wird
Werte fürs Protokoll
Diese Zahlen entscheiden bei der Rückgabe, ob nachgezahlt wird. Trag sie bei der Übernahme ein und am letzten Tag daneben.
| Wert | Übernahme | Rückgabe |
|---|---|---|
| Datum und Uhrzeit | ||
| Motorstunden | ||
| Diesel (Anzeige) | ||
| Wasser (je Tank) | ||
| Gasflaschen voll / angebrochen | ||
| Benzin für den Außenborder | ||
| Vorschäden im Protokoll (Anzahl) |
Wo es bei der Kaution Streit gibt
Der Streit um die Kaution dreht sich fast immer um dieselben Stellen. Wer sie am Samstag fotografiert und ins Protokoll geschrieben hat, muss am Freitag nicht diskutieren.
- Beiboot und Außenborder: Scheuerstellen am Schlauch, ein fehlendes Paddel, ein abgescherter Scherstift
- Kiel und Ruderblatt nach einer Grundberührung. Manche Charterbedingungen nennen ausdrücklich Kosten für einen Taucher.
- Verbogener Bugkorb, Kratzer an der Bordwand, Macken im Ruderblatt: kleine Schäden, die nicht jede Basis repariert und die dann mehrere Crews nacheinander bezahlen sollen
- Ein Riss im Vorsegel nach einer Böe, eine ausgerissene Lattentasche
- Verlorene Teile: Winschkurbel über Bord, Bootshaken, Festmacher, Fender
- Eine Leine im Propeller, gerissene Festmacher
- Eine verstopfte Toilette, die der Techniker zerlegen muss
- Diesel nicht voll, Boot nicht besenrein
Was hilft: Vorschäden im Protokoll mit Zeichen der Basis, Fotos mit Uhrzeit, und Schäden aus der Woche selbst melden, mit Eintrag im Logbuch. Wer einen Schaden verschweigt, verliert nach manchen Charterbedingungen den Versicherungsschutz und zahlt dann mehr als die Kaution.
Erinnerung 14 Tage vor dem Törn
Zwei Wochen vor der Abfahrt ist der richtige Moment für Proviant, Packliste und die Checkliste zur Übergabe. Trag ein, wann ihr ablegt. 14 Tage vorher kommt eine Mail mit den Listen. Eine Mail, danach wird die Adresse gelöscht.
Vertrag und Protokoll in Crewsy
Chartervertrag, Inventarliste und das unterschriebene Übergabeprotokoll, mit dem Handy als PDF gescannt, lädt der Skipper in die Dokumente des Törns. Die Crew sieht sie dort, außer er behält ein Dokument für sich. Die Tankquittung von der Rückgabe bucht, wer bezahlt hat, mit Foto in die Bordkasse.